Prof. Dr. Klaus Bös macht Stellenwert der Bewegung klar
"Nur durch Bewegung alleine können Sie nicht abnehmen, aber Bewegung ist eine Chance, insgesamt in Richtung Gewichtsverlust zu kommen", erklärte Klaus Bös von der Universität Karlsruhe. Bei der Vorstellung der Stiftung RUFZEICHEN GESUNDHEIT! sprach er über seinen Wunsch, die Bewegung zurück in den Alltag der Menschen zu bringen.

Bös beschäftigt sich seit längerem mit einem Stufenmodell, um diese Bewegungssteigerung zu erreichen. In der ersten Stufe sieht er die Information der Bevölkerung, um die Neugier der Menschen zu wecken. Im nächsten Schritt sollen Menschen auf breiter Basis zum mitmachen aktiviert werden, am besten schon im Kindesalter. Schließlich wünscht Bös sich eine Einbindung der Aktivitäten in Netzwerke wie zum Beispiel Sportvereine, damit die potentiellen Patienten auch nachhaltig aktiv bleiben.

Klaus Bös, der in den achtziger Jahren das Walking nach Deutschland importiert hat, sieht heute höchstens zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung ausreichend bewegt. Sein Maßstab sind dabei zwei Stunden Walking pro Woche, was einem Aufwand von 800 Kilokalorien entspricht. Besonderes Hindernis der Bewegung sei aber nicht nur der Sport, sondern vor allem ein bewegungsfeindlicher Alltag.

Wer die Bewegungshindernisse Rolltreppe, Auto und Fahrstuhl durch Sport aufholen wolle, sei zum Scheitern verurteilt. Mehr als sieben Stunden Sport seien dazu notwendig. Daraus folge, so Bös, dass die Bewegung zurück in den Alltag der Menschen müsse. Und da seine Verhaltensweisen hier langfristig geprägt seien, müsste ebenso langfristig an einer Verhaltensänderung gearbeitet werden.

Obwohl Bös den Sport alleine nicht als ausreichend zum Abnehmen betrachtet, sieht er ihn als einen entscheidenden Baustein im Bemühen um Gewichtsverluste. Denn wer aktiv ist, der steigere seinen Grundumsatz und lege sich mehr Muskelmasse zu, die wiederum mehr Energie verbrauche als andere Gewebe.

"Wir sollten den Sport wie ein Medikament betrachten. Im Moment haben wir bei vielen Menschen eine Unterdosierung", griff Bös ein Bild auf, um sein Anliegen zu verdeutlichen. Er betonte, dass es dabei nicht nur auf die Dosis des Sports, sondern auch auf die Qualität ankäme.