Ernährungsexperte Prof. Dr. med. Hans Hauner fordert mehr unabhängige Information
"Wir leben in einer das Übergewicht fördernden Gesellschaft und informieren unsere Bevölkerung komplett falsch, was die Ernährung betrifft", sagte der Münchner Ernährungsexperte Hans Hauner bei der Vorstellung der Stiftung RUFZEICHEN GESUNDHEIT! in Baierbrunn. Der Lehrstuhlinhaber für Ernährungsmedizin an der TU München machte seine Schwerpunkte bei der Prävention des metabolischen Syndroms klar.

Das Ernährungsverhalten der Deutschen sei insgesamt leider nicht besonders gesundheitsförderlich, was Hauner aber nicht den Menschen selbst zum Vorwurf macht: "Die Informationen über gesunde Ernährung sind miserabel. Die Menschen werden überfordert und häufig diktieren kommerzielle Interessen die Information."

Hauner sagte, Übergewicht sei als Risikofaktor und Verstärker des metabolischen Syndroms bekannt. Im Gefolge der aufgeladenen Pfunde spielten besonders das Fettgewebe und die resultierende koronare Herzkrankheit eine Rolle. Hier laufe viel interessante Forschung ab, die noch unklare Zusammenhänge mehr und mehr aufkläre.

Die Bedeutung des Speicherortes des Körperfettes für das metabolische Syndrom hob Hauner noch einmal hervor: Nach aktuellen Erkenntnissen spielt es eine Rolle, ob das Fettgewebe sich vor allem am Bauch sammelt oder eher gleichmäßig am gesamten Körper zu viel vorhanden ist. Daraus folgt die wachsende Bedeutung des Taillenumfangs gegenüber dem Body-Mass-Index (BMI) als Mittel der Einstufung. Gerade hier, das betonte Hauner, tobe aber gerade eine heftige Diskussion über Grenzwerte, ab denen Menschen als zu dick eingestuft werden sollten.

Einen wichtigen Bremsklotz im Bemühen um weniger Übergewicht in der Bevölkerung sah Hauner außerhalb des direkten Arzt-Patienten-Verhältnisses: Solange weder die Politik noch die Krankenkassen das Problem der falschen Ernährung angingen, werde sich hier auf breiter Basis wenig tun. Immer noch gibt es für Leistungen in diesem Gebiet keine Kostenerstattung für Ärzte oder Ernährungsberater.

"Die Botschaft erreicht die Bevölkerung nicht", schloss Hauner sein Statement. Dabei ist seine Botschaft eindeutig: "Gesunde Ernährung ist möglich. Es gibt verschiedene Wege, sie zu erreichen. Sie macht satt, ist schmackhaft und man hat Spaß dabei." Die Stiftung RUFZEICHEN GESUNDHEIT! sieht Hauner als einen wichtigen Baustein der Kommunikation mit einer Bevölkerung, der unabhängige Information fehlt.