Britische Studie bringt Licht in die zeitlichen Abläufe bei der Diabetes-Entstehung
Zehn Jahre beobachteten Dr. Adam Tabák und sein Team von der University College London britische Staatsangestellte, um den Rätseln über die zeitlichen Abläufe bei der Entstehung von Diabetes auf die Spur zu kommen. In der renommierten Fachzeitschrift Lancet berichten die Forscher von ihren Ergebnissen: Offenbar lassen sich schon fünf Jahre vor dem eigentlichen Ausbruch der Zuckerkrankheit erste, feine Hinweise darauf finden. Rechtzeitig erkannt, ließe sich zu diesem Zeitpunkt so manche Erkrankung verhindern oder zumindest hinausgezögern, meinen die Wissenschaftler.
An der Whitehall-II-Studie in London nahmen 6539 Menschen teil, von denen zu Beginn keiner eine Zuckererkrankung aufwies. Regelmäßig unterzogen sich die Schreibtischarbeiter, die allesamt wenig körperlich aktiv waren, Gesundheitschecks und Untersuchungen – unter anderem mussten sie Blutzuckertests sowie die Bestimmung der Insulinkonzentration im Blut über sich ergehen lassen. Bei allen Teilnehmern – auch jenen, die später nicht an Diabetes erkrankten – reagierten die Körperzellen im Lauf der Jahre immer schlechter auf Insulin. Bei jenen 505 Menschen, die zuckerkrank wurden, war dieser Abfall der Insulinsensivität jedoch besonders auffällig. Er ereignete sich, im Schnitt fünf Jahre bevor die Personen tatsächlich an Diabetes erkrankten.
Es ist kein Geheimnis, dass diese Insulinresistenz, wie Ärzte sie nennen, einer Zuckerkrankheit vorausgeht. Was überrascht, sind der frühe Zeitpunkt und der plötzliche, massive Abfall. Kurze Zeit später reagierten bei den späteren Diabetikern die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse: Sie begann mehr von dem Hormon herzustellen mit dem Ziel, den Verlust der Insulinwirkung so auszugleichen. Dies gelang stets jedoch nur etwa ein, zwei Jahre lang, stellte Tabàk fest. Dann versiegt die Insulinproduktion, und die Blutzuckerspiegel steigen massiv an. Der Patient erkrankte an Diabetes.
„Die Beschreibung, wie sich verschiedene Biomarker auf dem Weg zu einer Diabeteserkrankung entwickeln, kann dazu beitragen, die Risikoberechnungen präziser zu machen“, fassen die Forscher ihre Ergebnisse zusammen. Und wenn es gelänge, die Menschen, bei denen die Insulinwirkung wie beschrieben massiv nachlässt, frühzeitig ausfindig zu machen, könnten – so vermuten die Wissenschaftler – Vorbeugemaßnahmen die größte Wirkung entfalten.
06.10.2009