Zuckermangel gefährdet das Gehirn

Unterzucker erhöht bei Typ-2-Diabetikern scheinbar das Demenzrisiko

Für Menschen mit Typ-2-Diabetes scheinen Zustände mit zu wenig Zucker im Blut die Gefahr für eine Demenzerkrankung zu erhöhen. Das berichten US-Forscher der Krankenkasse Kaiser Permanente in der Zeitschrift JAMA.

Zustände der Unterzuckerung nennen Mediziner Hypoglykämien. Sie kommen bei Patienten mit Diabetes immer wieder vor – bedingt durch eine Überdosierung der blutzuckersenkenden Medikamente. Benommenheit und Desorierentierung sind typische Symptome dieser Komplikation, die – wenn sie mild abläuft – von den Betroffenen selbst durch die Aufnahme von Zucker behandelt wird. Krankenhauseinweisungen sind nur in schweren Fällen nötig – dann, wenn Bewusstlosigkeit oder Krampfanfälle auftreten. Bei Typ-1-Diabetikern mit einem angeborenen Mangel an Insulin haben bereits einige Studien einen Zusammenhang zwischen Unterzuckerung und eingeschränkten geistigen Leistungen aufgezeigt. Solche Untersuchungen fehlten bisher bei Typ-2-Diabetikern, bei denen Insulin seine Wirksamkeit einbüßt.

Als die Epidemiologin Rachel Whitmer die Daten von Typ-2-Diabetikern der Kaiser-Permanente-Krankenkasse auswertete, stellte sie für jene Kranken mit schweren Unterzuckerungsereignissen ein erhöhtes Demenzrisiko fest. Nach einer Hypoglykämie stieg die Gefahr um 26 Prozent, nach zwei um 80 Prozent und nach drei oder noch mehr solcher Unterzuckerungen um fast hundert Prozent.

Demenzerkrankungen treten bei Diabetikern häufiger auf als bei Gesunden. Welche Ursachen dabei eine Rolle spielen, ist bisher ungeklärt. „Unsere Studie zeigt einen möglichen Entstehungsmechanismus auf, der noch dazu beeinflussbar ist“, meint Whitmer. Schwere Unterzuckerungszustände könnten, so vermutet die Forscherin, gerade bei älteren Menschen neurologische Folgen haben, vor allem bei jenen, die grundsätzlich anfälliger für Demenzerkrankung sind. Weitere Studien seien aber nötig, um die Zusammenhänge besser zu verstehen.

11.05.2009

 
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